Der Comic ist ein komplexes Medium, das sich gut eignet, die vielfältigen Geschichten zu erzählen, die unsere Gesellschaft schreibt. In diesem Workshop werden wir uns mit dem Handwerk dieser Kunst beschäftigen, aber auch einige theoretische Aspekte berühren.
Typisch für den Comic ist, dass Text und Bild jeweils nur andeutende Funktion haben. Gemeinsam generieren sie jedoch Bedeutungen, die beide Elemente für sich allein nicht hervorbringen können. Oft taucht in Bildgeschichten ein Phantomnarrativ auf, ein intuitiver, fragiler, unheimlicher Hintersinn. Dieser ”dritte Sinn“ ist meist gar nicht intendiert und entsteht eher zufällig. Im Kurs wollen wir lernen, wie sich dieser ”dritte Sinn“ gezielt herstellen lässt. In seiner besten Form kann das Medium bei seinen LeserInnen tiefe emotionale Schichten freilegen, sie in einen bestimmten Seelenzustand versetzen und ihnen ein starkes visuelles Erlebnis bereiten. Die Kunst der Verbindung von Text und Bild geht weit über die reine Comicsprache hinaus. Visuelles Geschichtenerzählen spielt auch in vielen anderen Medien und Praktiken wie Kino, Online-Nachrichten, (Computer-)Spielen oder zeitgenössischer Kunst eine Rolle. Neben zeitgenössischen Comic-AutorInnen werden wir uns mit den Werken von Gustave Doré, William Hogarth, James Gillray, Francisco Goya und William Blake beschäftigen, um einen Sinn für die Herkunft der Form zu bekommen.
Ziel des Kurses ist es, sich im Erzählen komplexer Geschichten durch Kombination von Text und Bild zu üben und zu lernen, diese auch in unterschiedlichen Medien anzuwenden.
Co-Lehrende: Nina Prader