Wie wird Geschichte verfasst, wem kommt diese Aufgabe zu und mit welchen Mitteln werden historische Ereignisse untersucht, evaluiert und letztlich vermittelt? Wie steht es mit der Objektivität von wissenschaftlicher Forschung und von historischen Dokumenten, auf denen sie basiert? Beide sind in jüngerer Zeit was ihre Glaubwürdigkeit betrifft in Verruf geraten. Welche Legitimation kommt Bildenden KünstlerInnen zu, die sich in ihren Arbeiten mit ihren Mitteln und eigens entwickelten Methodiken historischen Themen und zeitgeschichtlichen Ereignissen widmen?
In ihrer ersten Themenausstellung eröffnet die neue Direktion des Museum der Moderne eine Diskussion über eine der zentralen Aufgaben des Museums: die Konstituierung von Geschichte anhand von Artefakten. Dabei richtet sich der Blick über den Bereich der Kunstgeschichte hinaus und setzt den Fokus auf Werke mit einem spezifischen Bezug, nämlich auf Kunst, die Geschichte, zeitgeschichtliche Ereignisse und ihr eigenes Involviertsein reflektiert. Die gezeigten Werke umfassen einen zeitlichen Rahmen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Mit der Ausstellung wird ein Dialog mit hauseigenen und lokalen Sammlungen, mit unterschiedlichen Sichtweisen und künstlerischen Praktiken aufgenommen, die Gesetzmäßigkeiten des Kunstbetriebs mit eingeschlossen.
Tatsächlich funktioniert die aktuelle Kunstproduktion in Krisenregionen – das zeigen zahlreiche Überblicksschauen der vergangenen Jahre – wie ein Arsenal eines auf den Nachschub von neuer Kunst hungrigen Kunstbetriebes. Die Ausstellung präsentiert somit geschichtlich engagierte Kunst und KünstlerInnen in einem größeren historischen Rahmen und hat sowohl Ursprünge wie auch aktuelle Ausformungen im Blick; darunter auch Kader Attia, der sich vertiefend mit der ethnologischen Sammlung der Missionsschwestern vom Hl. Petrus Claver in Bergheim bei Salzburg und der Sammlung in der Kunst- und Wunderkammer im Salzburger Dommuseum beschäftigte.
Mit Kader Attia, Elias Baeck, Lothar Baumgarten, Alfred Baumgartner, Heimrad Bäcker, Michael Blum, Marcel Broodthaers, Johan August Corvinus, Alice Creischer, Gerti Deutsch, Otto Dix, Stan Douglas, Harun Farocki, Omer Fast, Ian Hamilton Finlay, Simone Forti, Andrea Fraser, Andrea Geyer, Dan Graham, Renée Green, Ernst Haas, Jörg Immendorff / Felix Dröse, Jörg Immendorff, Sanja Iveković, Kurt Kaindl, Gülsün Karamustafa, Anselm Kiefer, Käthe Kollwitz, Christoph Lederwasch, Deimantas Narkevičius, Walid Raad / The Atlas Group, Elaine Reichek, Aura Rosenberg, Martha Rosler, Anri Sala, Andreas Siekmann, Wael Shawky, Chen Shaoxiong, Johann Conrad Stapff, Danh Vō, Lawrence Weiner, Akram Zaatari
Kuratorinnen: Sabine Breitwieser, Direktorin, mit Christina Penetsdorfer, Kuratorische Assistentin, MdM Salzburg