Christoph Schäfers künstlerische Arbeiten basieren auf Beobachtungen des Alltagslebens und werden häufig mit Hilfe von Zeichnungen und Diagrammen entwickelt. In logischer Konsequenz seiner Beobachtungen sieht er seine Kunst durch politische und gesellschaftliche Bezüge geprägt. Schäfer präsentiert beim Mittagsgespräch sein aktuelles Projekt Topografie der Gemeinheit, das im Oktober 2011 im Zuge der Ausstellung raumsichten – erweitert kunstwegen in der Obergrafschaft Bentheim, nahe der holländischen Grenze, realisiert wird.
Ausgehend von der in Europa nur äußerst selten anzutreffenden Allmende, die sich u. a. noch in Form des Waldgebietes Samerrott in der Nähe von Bad Bentheim befindet, beschäftigt sich Schäfer mit einer zeitgenössischen Aktualisierung dieser Rechtsform für gemeinschaftliche Nutzung von Grund und Boden. Schäfers Arbeit in Bentheim zeichnet eine Topographie in der Entwicklung der Eigentumsverhältnisse des Waldstücks nach. Signifikante Orte werden markiert und mit der Geschichte der sozialen Kämpfe verknüpft, die in der Gegend um die Vechte mit besonderer Schärfe ausgetragen wurden. Die zentrale Skulptur, eine Vitrine mit einem albtraumhaften Szenario und Kernstück der Topografie der Gemeinheit, wird direkt auf bzw. in der Grenze des Samerrotts platziert.
Christoph Schäfers konzeptuelle Installationen basieren auf genauen Beobachtungen des städtischen Alltags. Urbanismus, Jugendkultur, Gärten, Themenparks, Mode, grauer Markt und Revolte sind Themen des in Hamburg lebenden Künstlers, der die Tools zur Decodierung der Stadt auf Reisen und experimentellen Workshops in Delhi, Dakar, Bangalore oder Ulyanovsk weiterentwickelt. Sein neues Buch Die Stadt ist unsere Fabrik erzählt in 150 Aquarellstiftzeichnungen eine ungewöhnliche Geschichte der Stadt aus dem Urschlamm der Geschichte bis in die Recht auf Stadt-Bewegung im Hamburg des Jahres 2010. Bereits die Arbeit im Park Fiction Kollektiv in St. Pauli war von stadttheoretischen Überlegungen geprägt, ebenso wie seine Filminstallationen Revolution Non Stop und Hoang's Bistro. Schäfers Arbeiten sind auf Ausstellungen wie der documenta 11 gezeigt worden, er hält Lehrveranstaltungen und Vorträge an so unterschiedlichen Orten wie dem besetzten Hamburger Gängeviertel oder dem MIT in Boston.
Ausstellungen
2010 Auslaufendes Rot - B1|A40 DIE SCHÖNHEIT DER GROSSEN STRASSE RUHR 2010, Essen. raumsichten: vorzeichen, Städtische Galerie Nordhorn. 2009 Pudel Art Basel I - Kunstmarkt & Kunstauktion gegen Gentrifizierung, Pudelkollektion, Hamburg. Public Garden - Public Generation, Neuer Aachener Kunstverein. Public Turbulence / Disordine in pubblico Art, ISOLA ART CENTER, Mailand. 2008 STARSHIP various sketches for leaving the room, LUDLOW 38, New York. parcours interdit 2008, Künstlerverein Malkasten, Düsseldorf. Participation, Galerie Martin Janda, Wien. Katastrophenalarm, NGBK Berlin. 2006 City of Glass, COLAB Gallery, Bangalore. Wild Capital, Kunsthaus Dresden. 2005 Groundworks, mit Park Fiction, Miller Gallery, Carnegie Mellon University, Pittsburgh. Migrations, Kölner Kunstverein. Shrinking Cities, GFZK, Leipzig. World Information City 2006, Goethe Institut Max Mueller Bhawan, Bangalore. 2004 Ambulantes. Cultura Portátil, mit Park Fiction, Centro Andaluz del Arte Contemporaneo, Sevilla. Shrinking Cities, KW, Berlin. 2002 documenta 11, mit Park Fiction, Kassel. Gewalt ist der Rand aller Dinge, Generali Foundation, Wien. Ökonomien der Zeit, Museum Ludwig, Köln, Akademie der Künste, Berlin, Migros Museum, Zürich. Revolution Non Stop, Kunstwerke Berlin. Site-seeing, Künstlerhaus Wien.
Publikation
Die Stadt ist unsere Fabrik - The City is Our Factory, Spector Books, 2010.
